Auction: SW1017 - Bonds & Share Certificates of the World
Lot: 246

Schweizerische Eidgenossenschaft. Unternehmung der Austrocknung der Sümpfe der Gestade des Wallensees und des unteren Linth-Thals. Aktie Fr.200.Lausanne 13.1.1835. #3134. Ausgestellt auf die Academie de Lausanne. Originalunterschrift von Hans Konrad Escher von der Linth als Präsident der Aufsichtskommission. Eine der frühsten und wohl wichtigsten Aktien in der Geschichte der Schweiz. Im 18. Jahrhundert versumpften grosse Teile der Linth-Ebene und ihre Bewohner waren genötigt die "Häuser und Heimath zu verlassen". Die alte Tagsatzung war politisch, technisch und vor allem finanziell nicht in der Lage die nötige Abhilfe zu schaffen. Erst nach Beendigung der Wirren der Helvetik beschloss die 1803 wieder eingeführte Tagsatzung auf Betreiben der Kantone Glarus und St.Gallen einen Planungsausschuss unter der Führung von Hans Konrad Escher (1767-1823) einzusetzen. Dieser empfahl die Linth in den Walensee umzuleiten und den Fluss Maag bis nach Ziegelbrücke zu vertiefen. Die Tagsatzung bzw. die Schweizerische Eidgenossenschaft trat selber als Bauherr auf und übernahm auch die Finanzierung des Projektes mit Hilfe eines bislang wenig bekannten Instrumentes - mit Aktien. Die Tagsatzung entschied, dass jede Kantonsregierung ihre Mitbürger, geistliche Korporationen und Gemeinden zur Zeichnung von Aktien auffordern und die Beträge einzufordern sollte. Die operative Führung des Projektes übernahm eine Aufsichtskommission unter dem Präsidium von Hans Konrad Escher. Dieser schrieb nun eines der wohl bemerkenswertesten Dokumente der Schweizer Geschichte, seinen 'Aufruf an die Schweizerische Nation zur Rettung der durch Versumpfungen in Elend gestürzten Bewohner der Gestade des Wallen-Sees und des unteren Linth-Thales'. Dieses wurde zu einem 'Aufruf des Herzens' und hatte im ganzen Land einen solch grossen Widerhall, dass in wenigen Monaten statt der vorgesehenen 1600 mehr als 2000 Aktien zu 200 alten Franken gezeichnet wurden. Die Finanzierung war gesichert. Das Kapital wurde in vier Tranchen eingefordert. Um zusätzliche Ausbauten zu finanzieren erhöhte man später die Zahl der Aktien auf 4070,5. Die Bauarbeiten begannen 1807 und konnten 1816 erfolgreich abgeschlossen werden. Zwischen 1827 und 1845 wurden alle Aktien durch den Verkauf der nun wertvollen Böden und den Abgaben auf dem Mehrwert der Grundeigentümer ausbezahlt. Dabei ergab sich zuletzt sogar ein Überschuss von rund 30'000 Franken, der zusammen mit verbleibenden Grundstücken im Wert von weiteren rund 15'000 Franken als Betriebskapital der Unternehmung zurückbehalten wurde. Die erfolgreiche Verbesserung der Lebensbedingungen in der Linth-Region machte Hans Konrad Escher bereits zu Lebzeiten zu einer wichtigen Schweizer Symbolfigur. 1823 verlieh der Zürcher Regierungsrat seiner Familie sogar das Recht, den Namenszusatz "von der Linth" zu tragen. Der Kanal, der die Glarner Linth in den Walensee leitet, wird zu seinen Ehren als "Escherkanal" bezeichnet. Die Aktie trägt weiter die Original Unterschriften von Jean Marc Samuel Isaac Mousson als Bundeskanzler der Eidgenossenschaft und Hans Georg Stehlin als Präsident der Schatzungskommission. Jean Marc Samuel Isaac Mousson (1776-1861) war der ersten Bundeskanzler der Eidgenossenschaft von 1803-1830. Hans Georg Stehlin (1760-1832) war 1798 Anführer des Basler Landvolks bei der Revolution und Präsident der Basler Nationalversammlung, von 1803 bis 31 Mitglied des Kleinen Rats, ab 1809 auch Staatsrat, Basler Tagsatzungsgesandter und von 1807 bis 1828 Präsident der Linth-Schatzungskommission. Ein Einzelstück aus einer alten Sammlung. [*R12]. VF.

Sold for SFr26,000

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